Wirtschaftspolitische Gesellschaft von 1947 e.V. W i P o G Frankfurt am Main
Wirtschaftspolitische Gesellschaft von 1947 e.V.W i P o GFrankfurt am Main

Grundsatzerklärung der WIPOG vom 1. November 1947

Die gegenwärtige wirtschaftliche und soziale Notlage in Deutschland ist das Ergebnis der politischen Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte. Im Hinblick auf das Gesamtwohl des Volkes kann die notwendige Neuordnung weder nach abstrakten Theorien noch allein nach parteipolitischen Gesichtspunkten vorgenommen werden.

Die bisherigen Ansätze eines politischen Lebens sind nicht ermutigend, weil in weiten Kreisen des Volkes das Vertrauen in den Sinn der politischen Arbeit erschüttert ist. Die entscheidende Rolle des Menschen und der Persönlichkeit als produktive Kraft in allen Wirtschaftszweigen ist überwuchert und in den Hintergrund gedrängt durch anonyme Apparate und verblaßte Begriffe. Die Gefahren, die sich aus einer derartigen Entwicklung für das gesamte Volk ergeben müssen, gilt es abzuwenden.

 

Um zu einer Neuordnung beizutragen, ist die "Wirtschaftspolitische Gesellschaft von 1947" in Frankfurt am Main gegründet worden.

 

Die Gesellschaft betrachtet es als ihre wesentliche Aufgabe, an den geistigen und praktischen Grundlagen für den lebensnahen Aufbau einer sozial verpflichteten Wirtschaft mitzuarbeiten und sich von den Vorurteilen und Gegensätzen der Vergangenheit frei zu halten.

Die "Wirtschaftspolitische Gesellschaft von 1947" sieht die Lösung dieser Probleme in der Zusammenfassung und Aktivierung wirtschaftlich interessierter Deutscher auf der Basis der folgenden Grundsätze.

 

Darüberhinaus will die Gesellschaft dazu beitragen, das Interesse der breiten Masse unseres Volkes an wirtschaftlichen Fragen zu fördern und durch geistigen Brückenschlag zum Ausland sowohl im Inland als auch im Ausland für eine allgemeine wirtschaftliche Verständigung und ein Verständnis der deutschen wirtschaftlichen Notwendigkeit zu werben.

 

Dieses Ziel will die "Wirtschaftspolitische Gesellschaft von 1947" erreichen u.a. durch

  • Pflege des geistigen Austauschs mit allen dazu bereiten, an Wirtschaft und Politik interessierten Kreisen des In- und Auslandes,
  • Sammlung und Verarbeitung von wirtschaftlichem Material und dessen Verwertung bei Arbeitstagungen, in Denkschriften, Gutachten, Presse uund sonstiger Publizistik,
  • Vermittlung ausländischen wirtschaftlichen Gedankenguts an die deutsche Öffentlichkeit und Unterrichtung des Auslandes über Deutschlands Probleme,
  • Pflege des persönlichen Kontakts zwischen Deutschen und Ausländern.

Zur Erfüllung dieser wichtigen und umfassenden Aufgaben ruft die "Wirtschaftspolitische Gesellschaft von 1947" alle wirtschaftlich interessierten Deutschen ohne Rücksicht auf Parteizugehörigkeit und Beruf auf, sich als Mitglied anzuschließen.

 

Es folgen die Grundsätze der Wirtschaftspolitischen Gesellschaft von 1947 mit der Feststellung:

 

Die "Wirtschaftspolitische Gesellschaft von 1947" stellt sich die Aufgabe, diese Grundsätze im einzelnen weiter zu entwickeln und sie im geistigen Austausch mit allen interessierten Menschen zu vertiefen und zu ergänzen.

Hierbei geht die Gesellschaft davon aus, daß in der allgemeinen politischen Diskussion auch das Gedankengut des fortschrittlichen, seiner sozialen Verpflichtung bewußten Unternehmers einen wesentlichen Beitrag leisten muß. 

Die Grundsätze beruhen auf einem Standpunkt jenseits aller Parteipolitik.

 

Danach werden die Punkte 1 bis 8 aufgeführt;

 

Die Punkte 9 und 12 - 13 sind aktueller denn je und auch hier explizit wiedergegeben:

 

9. Den Grundsätzen der Marktwirtschaft: freie Konsumwahl, Freizügigkeit und freie Berufswahl als Voraussetzungen des wirtschaftlichen Wettbewerbs muß auch schon in der Mangelwirtschaft möglichst weitgehend Geltung verschafft werden.

Die Wirtschaft muß wieder auf den Boden der besten Leistung gestellt werden, also des wirtschaftlichen und beruflichen Wettbewerbs und damit auf die Persönlichkeit und das Wagnis. Nur, wo der Wettbewerb versagt, darf der Staat eingreifen und auch da in erster Linie mit dem Ziel, die Voraussetzungen für einen Wettbewerb zu schaffen.

Die beste Leistung als Maßstab des Erfolges verpflichtet jedes Unternehmen in erster Linie: wirtschaftlich richtig zu handeln und für die Folgen wirtschaftlicher Fehlleistungen mit seinem ganzen Ruf und Vermögen einzustehen. Es ist nicht die Aufgabe des Staates, notleidende Unternehmen zu sanieren.

Diese Grundsätze sind für jeden Beruf und für jedes Unternehmen in der Wirtschaft und der privaten, wie der öffentlichen Hand zur Geltung zu bringen.

 

12. Der in Deutschland viel verachtete und im totalitären Staat verfehmte Kompromiß ist ein wertvolles und unentbehrliches Mittel der praktischen Demokratie. Er kann oft den einzigen Ausweg aus einer Notlage weisen. Sein ethischer Wert als sinnvolle und notwendige Grundlage der Politik muß erkannt und geachtet werden. Er verlangt von jedem Einordnung in die gegebenen Notwendigkeiten und wird durch diese gerechtfertigt.

Wir verabscheuen die Intoleranz und die durch sie ausgelöste Unfreiheit der menschlichen Lebensäußerungen. Intoleranz ist die Quelle der geistigen Tyrannei und, von hier fortschreitend, die Stütze des politischen Terrors.

 

13. Wir lehnen es aus einem überparteilichen Verantwortungsgefühl ab, einseitige Interessen der Wirtschaft oder einzelner Wirtschaftszweige gegenüber der Allgemeinheit zu vertreten.

Wir wollen keine Rückkehr zur Interessenpolitik der Wirtschaft, die zu Lasten der Allgemeinheit nach Staatshilfe ruft, wenn es schlecht geht, und die den Staat überspielt, wenn es gut geht. Wir haben auch erlebt, wohin es führt, wenn kurzsichtige, nur ihren eigenen vermeintlichen Augenblicksinteressen verfolgende Unternehmer sich vor den Wagen des Staates spannen lassen. Die Gefahr des Mißbrauchs der Wirtschaft durch den Staat ist noch größer, wenn der Staat selbst wirtschaftet oder durch Organisationen wirtschaften läßt, die ihm politisch hörig sind. Solche Bestrebungen wie sie in Wirtschaft und Politik immer wieder eine verderbliche Rolle spielen, halten wir für eine wesentliche Ursache des Verfalls, der zum totalen Staat führt.

Wir wollen eine freie, sozialverpflichtete und in diesem Rahmen verantwortlich denkende und diszipliniert handelnde Wirtschaft aufbauen. Die Wirtschaft soll, von der freien Persönlichkeit getragen und weiterentwickelt, Arbeit, Brot und Lebensfreude geben.

 

Frankfurt a. M., 1. November 1947

 

Rudolf Mueller, Frankfurt/M; Kurt Blaum, Frankfurt/M; Otto Klepper, Frankfurt/M; Ludwig Erhard, München; Kurt Pentzlin, Hannover; Alfred Petersen, Frankfurt/M; Ernst Deissmann, Düsseldorf; Hubert A. Sternberg, Heidelberg.

  

Walter Bagalzky, Baden-Baden; Paul Binder Tübingen; William Borm, Berlin; Edmund Frohne, Frankfurt/M; Gerhard Geyer, Hamburg; Theodor Goldschmidt, Essen; Franz Greiß, Köln; G. W. Harmssen, Bremen; Charly Hartung, Lübeck; Wilhelm Heile, Syke b. Bremen; Erhard Heldmann, Bremen; Günther Henle, Duisburg; Theodor Heuss, Stuttgart; Joseph Horalz, Köln; Reinhard Klöpfer, München; Albrecht Freiherr Knigge, Pallensen/Leine; Christian Krull, Hamburg; Christian Kuhlemann, Hannover; Richard Merton, Frankfurt/M; Gustav Meyer, Bremerhaven; Karl Friedrich Müller, Berlin; Volkmar Muthesius, Frankfurt/M; Walter Nadolny, Berlin; Rudolf Petersen, Hamburg; Robert Pferdmenges, Köln; Werner Plappert, Heidenheim a.d. Brenz; Erich Raemisch, Krefeld; Walter Reinhold, Hannover; Franz Reuter, Berlin; Albert Schäfer, Hamburg; Franz Schily, Bochum; Fabian von Schlabrendorff, Wiesbaden; Erich Edgar Schulze, Duisburg; Hans-Christoph Seebohm, Hannover-Braunschweig; Bernhard Skrodzki, Berlin; Walter Strauß, Wiesbaden; Franz Ströbele, Daumühle; Otto A. Vogel, Augsburg; Paul Wesselhoeft, Hamburg.   Mehr

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Mitglieder sind u.a.

 

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· Frankfurter Sparkasse 1822

· Geisel & Luce GmbH
· Handwerkskammer Rhein-Main
· Hessischer Bauernverband e.V.
· Hessischer Philologenverband

· Hessisches Wirtschaftsarchiv

· IHK Darmstadt Rhein Main Neckar

· IHK Frankfurt am Main
· IHK Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern

· IHK Offenbach am Main

· IHK Lahn-Dill Standort Dillenburg

· Siemens AG

· Landesbank Hessen Thüringen

· Portland Zementwerke, Gebr. Seibel GmbH & Co. KG 

· Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände e.V.

 

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